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28.08.2007
Hallo, liebe Freude,

ich muss mich zuerst einmal bei euch entschuldigen, dass ihr so lange nichts von mir gehört habt. Aber ihr wisst ja, in den Ferien hat man besonders wenig Zeit.....

Die freie Zeit ist nun zu Ende. Zwar hat der Unterricht auch in Bosnien noch nicht wieder begonnen, aber das neue Schuljahr muss geplant und der Unterricht vorbereitet werden. Das gleicht an einer bosnischen Musikschule der Vorbereitungszeit einer allgemeinbildenden Schule in Deutschland. Klassen planen, Lehrinhalte bestimmen, Termine für Vorspiele und Veranstaltungen festsetzen, Materialbedarf für den Unterricht und die Musikschule im Allgemeinen planen....
Aber noch bin ich gut erholt von den in diesem Jahr wirklich sehr aktiven Ferien. Nach einigen Jahren der Abwesenheit besuchte ich in diesem Jahr endlich wieder einmal Deutschland. Für meine Frau und meine Kleine war es die erste Auslandsreise und sie waren natürlich im Vorfeld sehr gespannt auf die Orte, wo ich studiert, gearbeitet und gelebt habe.
Ich selber freute mich auch sehr auf Berlin: durch die Stadt schlendern, in Bibliotheken stöbern, Instrumentenhändler besuchen, Döner essen, mit meinen Brüdern quatschen, bei Dussmann sich einmal durch das Musikangebot hören.....
Die Zeit in Berlin haben wir dann sehr genossen. Meine Tochter staunte über bisher ihr unbekannte Tiere im Zoo und probierte begeistert alle Spielplätze in der Umgebung aus. Meine Frau war besonders von den vielen Parks in Berlin angetan. Natürlich besuchten wir auch Potsdam und Sanssouci. Und ich genoss das Wiedersehen mit altvertrauten Plätzen und Freunden und ergänzte meine Noten- und Musikbibliothek. Besondere Freude bereitete mir das Musizieren mit alten Kollegen. Zum Abschluss unseres Deutschlandsaufenthaltes verbrachten wir noch einige Tage in Nürnberg, wo ich auch einige Zeit gelebt habe.
Leider verging die Zeit mal wieder viel zu schnell und nicht alle Pläne, die wir für unseren Besuch geschmiedet hatten, konnten verwirklicht werden. Auf jeden Fall haben wir uns gut erholt und in meinem Kopf habe ich jetzt wieder eine Menge neue Pläne für die Zukunft.
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07.06.2007
Liebe Leser,

Wie auch in Deutschland rücken jetzt langsam für Schüler und Lehrer die Sommerferien in greifbare Nähe. Hier wie da ist das jetzt auch die Zeit der letzten Prüfungen und Vorspiele. So hatten auch meine Schüler in der vergangenen Woche ihren großen Tag. Ich weiß nicht zu sagen, wer aufgeregter war- meine Schüler oder ich. Schließlich sollte ja an diesem Tage ein jeder unter Beweis stellen, was er im letzten Jahr gelernt hat.


Im Unterschied zu Deutschland ist das Musikschulwesen hier in Bosnien-Herzegowina wie eine allgemeinbildende Schule organisiert. Das bedeutet, der Musikunterricht beginnt in und mit der ersten Klasse. Für jedes Schuljahr gibt es Vorgaben, welche Fähigkeiten erlernt und welche Pflichtliteratur erarbeitet werden muss. Am Ende eines jeden Schuljahres müssen die Schüler dann in einer Prüfung nachweisen, dass sie „ den Stoff beherrschen“. Nur eine erfolgreich absolvierte Prüfung ermöglicht das weitere Lernen an der Musikschule, also die Versetzung in die nächste Klasse.


Im Gegensatz zu Deutschland kann man nicht einfach irgendwann an der Musikschule mit dem Instrumentalunterricht beginnen oder nach einigen Jahren Privatunterreicht einfach an eine Musikschule wechseln. Wenn man eine instrumentale Ausbildung an einer Musikschule machen möchte, muss man dort mit der ersten Klasse und entsprechendem Alter anfangen. Genauso wenig darf man ein Musikstudium aufnehmen, ohne vorher ganz nach Plan eine instrumentale Ausbildung an einer Musikschule durchlaufen zu haben.
Wenn man sich einmal zu einer Ausbildung an einer Musikschule entschließt, unterliegt man automatisch dem durch den Lehrplan vorgegebenen Leistungsdruck. Zum Einen hat dies zwar den Vorteil, dass die Musikschulen insgesamt ein recht gutes Niveau bieten und auch die Lehrer entsprechend zielgerichtet mit den Kindern arbeiten können. Leider bleibt dabei manchmal ein wenig die reine Lust am Musizieren auf der Strecke.
Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Vorteil, dass man dadurch davor bewahrt wird, über die Jahre immer wieder Kinder im Unterricht zu haben, die selber überhaupt keine Lust und noch weniger musikalisches Talent haben, deren Eltern aber auf dem Instrumentalunterricht beharren und die Musikschule aus Überlebensängsten heraus alles versucht, um die zahlenden Eltern bei Laune zu halten.


Na, wie auch immer, meine Schüler und auch ich haben für dieses Mal die Abschlussprüfung gut überstanden und ich kann stolz sein auf die Leistung meiner Schützlinge. Und glücklicherweise haben wir es mal wieder geschafft, dass trotz engem Lehrplans die Freude am Musizieren nicht zu kurz kam. Meine Schüler können jetzt unbeschwert ihren wohlverdienten Ferien entgegensehen. Nur ich, der Lehrer habe noch ein wenig Arbeit vor mir – jemand muss ja schließlich die Beurteilungen und Zeugnisse schreiben.
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2007-04-14
Liebe Freunde,

nach einer kleinen Pause, in der ich nichts von mir hören ließ, heute mal etwas zum Schmunzeln.

http://www.youtube.com/watch?v=ZpgKr3Ruqnw
Damit wäre bewiesen, dass klassische Musik nicht zwingend mit ernster Musik gleichzusetzen ist.

Toller Einfall und super Realisierung.
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27.01.2007
Liebe Freunde,

wusstet ihr eigentlich, dass Johann Sebastian Bach sich auch in der Medizin auskannte? In einem Artikel über Musik als Therapiemittel las ich, dass seine Goldberg-Variationen ein musikalisches Beruhigungsmittel seien, komponiert für den schlaflosen russischen Gesandten am Dresdner Hof, Graf Hermann Carl von Keyserlingk, der vermutlich an Tinnitus litt.
Die Wirkungsweise: Das tönende Medikament maskierte die Geräusche im Ohr und besänftigte den Mandelkern, das Angst- und Emotionszentrum im Gehirn. Und weil stets nur das einsame Cembalo zirpte, wurde der Klangreiz dem Grafen mit der Zeit vertrauter, schwächer, nebensächlicher.
Bach war also anscheinend auch neurobiologisch gewieft und schien zu wissen, dass sich bei seinem Hörer das Phänomen der Habituierung einstellen würde.
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09.01.2007
Liebe Freunde

Munir Baschir. Ich weiß nicht, wie viele von euch diesen ausgezeichneten Oud-Musiker aus dem Irak kennen. Einige Hörbeispiele habe ich bereits in meiner privaten Kollektion, aber als ich letzten bei Wikipedia den Artikel über M.Baschir las, hörte ich mir noch mal die dortigen Klangbeispiele an. Ich fand die Maqam Improvisationen augrund ihrer tonal bezogenen Harmonik äußerst gewöhnungsbedürftig, aber zugleich auch melodisch. Sie denen sich über einen langen Zeitraum mit wiederkehrenden Improvisationsmotiven. Eine richtige fachliche Beurteilung kann allerdings nur ein ausgebildeter Maqam-Spieler geben.
Für meine kompositorische Tätigkeit aber sind solche Musiker wahre Schatzquellen, die mich z.B. zu meinem Stück „Maqam-Improvisation“ inspiriert haben.

Wer mehr wissen möchte, dem sei folgender Link empfohlen: http://de.wikipedia.org/wiki/Munir_Baschir

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25.11.2006
Liebe Freunde,

dieser Tage bin ich beim Surfen im Internet bei Spiegel-Online auf einen Artikel über die Suche nach Geheimcodes in Bachs Sonaten gestoßen. Da gibt es doch wirklich Leute, die davon überzeugt sind, dass Bach in seinen Werken mit Hilfe der Mathematik Geheimbotschaften religiösen Inhalts eingebaut habe. So meint eine deutsche Musikwissenschaftlerin, diese These mit Hilfe der sogenannten Gematrie beweisen zu können, einem Verfahren, bei dem Buchstaben in Zahlen umgewandelt werden. Mit dieser Methode, die unter anderem der Kabbalistik entstammt, versuchen Menschen seit Jahrhunderten, versteckte Bedeutungen in Wörtern oder Sätzen aufzuspüren. Nun also versucht man damit auch hinter die versteckte Bedeutung von Instrumentalwerken zu gelangen. Dabei wird jeder Note die diesem Buchstaben entsprechende Zahl aus dem lateinischen Zahlenalphabet zu Grunde gelegt. A steht also für 1, B für 2, Fis steht für 33 (F=6, I= 9, S=18). Und danach werden dann die Zahlenwerte eine Taktes, einer musikalischen Figur oder eines Musikstückes addiert.

So interessant das zwar mal ist, auch solchen Gedankengängen zu folgen, so konnte ich mir ein Schmunzeln beim Lesen doch nicht verkneifen. Ich denke, da will man dann doch eine Bedeutung in die Musik Bachs legen, die vom Meister selber nicht beabsichtigt war. Zumal man in beliebigen Werken auch beliebige Zahlen finden kann – was ebenfalls wissenschaftlich beweisbar ist. In Bachs Werken gibt es ohne Zweifel eine Menge Mathematik. All die kompositorischen und harmonischen Formen sind Mathematik in reinster Form. Das besondere Vermächtnis Bachs ist es, dass er dank seiner außerordentlichen kompositorischen Fähigkeiten aus diesen tonalen mathematischen Konstrukten ästhetisch ansprechende Werke schuf. Das ist die hohe Kunst in Bachs Werk. Eine kompositionstechnisch akkurate mehrstimmige Fuge zu schreiben und darin dann auch noch einige Raffinessen wie Krebs oder Spiegel einzubauen, ist zu allererst ein mathematische Problem und eine Fleißaufgabe. Ein Fugenthema zu finden, welches nicht nur den Anforderung, die an ein solches gestellt werden, entspricht, sondern auch ästhetisch schön ist – also auch in der Melodie angenehm für die Ohren – und diese Ästhetik dann auch noch durch alle Umformungen beibehält, dazu gehört eine besondere Gabe, ein besonderes Talent.
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20.10.2006
Liebe Freunde,

auch wenn es am Tage bei Sonnenschein manchmal noch so richtig sommerlich warm ist, so lassen die bunten Blätter und der kalter Wind, der die würzige Waldluft aus den Bergen bis in die Stadt trägt, keine Zweifel daran, dass es Herbst geworden ist. Der Herbst mit seinen überschwänglichen Farben und intensiven Gerüchen – ein Sterben in Schönheit. In den mittäglichen Sonnenstrahlen erglühen die bewaldeten Berghänge am Horizont in den verschiedensten Gelb- und Rottönen. Der Sturmwind zaust die Baumkronen und zaubert rote Bäckchen in das Gesicht meiner kleinen Tochter, die in diesen Tagen ihren ersten Herbstzauber erlebt. Die länger werdenden Abende geben Zeit und Raum, um im Kreise der Familie sich des Zusammenseins zu freuen. Zeit auch zum Nachdenken, zum Resümieren, zum Träumen und Pläne schmieden. Oder sinnend die Gitarre in die Hand zu nehmen und die Töne das ausdrücken zu lassen, was man nicht in Worte fassen kann.
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15.09.2006
Liebe Freunde,

gerade habe ich mal so nachgedacht, was in diesem Sommer wohl das schönste Erlebnis für mich war. War es vielleicht die viele Zeit, die ich dank der Schulferien mit meiner Tochter verbringen konnte? Oder waren es die Besuche meiner beiden Brüder, die ihren Urlaub hier verbrachten? War es das Konzert von Paco de Lucia, welches ich hier in Sarajevo erleben durfte? Bereits zweimal hatte ich das Glück, den großen Meister der Gitarre live erleben zu dürfen, beide Male in Berlin. Das erste Mal war ich noch Student an der Hochschule der Künste. Jedesmal wieder ist die Begegnung mit dem Virtousen ein tolles Erlebnis für mich, welches Spuren hinterlässt. Nun den großen Meister auch einmal hier in Sarajevo erleben zu dürfen -damit ist mir ein langersehnter Traum in Erfüllung gegangen. Für die meisten hier in Bosnien ist es ja nicht so einfach, nach Herzenslust einem solchem Konzertereignis an jeden Ort der Welt zu folgen. Da ist man schon darauf angewiesen, dass dieses Ereignis zu einem kommt. Also wie gesagt, der Abend war ein unvergessliches Erlebnis. Aber das schönste Erlebnis dieses Sommers? Mal weiter überlegen. Da gab es ja noch die Besuche meiner beiden Brüder. Schöne Stunden haben wir gemeinsam verbracht, endlich mal wieder richtig quatschen und auch mal herumblödeln können. Ich vermisse das manchmal richtig. Die wenigen gemeinsamen Tage des Sommers müssen immer für das ganze Jahr ausreichen. Es gibt zwar Telefon, aber live ist doch immer besser – wie bei allem. Also, wir hatten eine großartige Zeit zusammen, es war schön – aber das Schönste dieses Sommers? Das schönste Erlebnis dieses Sommers war meine Tochter. Sie glücklich heranwachsen zu sehen, zu sehen, wie sie sich entwickelt und jeden Tag ein Stückchen dieser Welt neuentdeckt, ist für mich jeden Tag auf’s Neue wie ein Geschenk. Zu erleben, wie aus den ersten wackligen Stehversuchen die ersten unsicheren Schritte an meiner Hand und dann die ersten unabhängigen Schritte wurden, DAS war großartig. Oder die ersten richtigen Wörter aus ihrem Munde zu hören, DAS war unvergesslich. Das Glück, dieses kleine Menschenkind heranwachsen zu sehen, scheint mich manchmal richtiggehend zu erdrücken. Dieses Gefühl lässt sich nicht in Worte fassen. Die Dankbarkeit, dieses Erleben zu können, lässt sich nicht in Worte fassen. Gott sei dank habe ich meine Gitarre, um diesem starken Gefühl Ausdruck zu verleihen.
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